Standpunkt zur Exzellenzinitiative

Die Uni Heidelberg ist im zweiten Anlauf zur Exzellenz-Uni gekürt worden. Wen wundert's? Uns. Nichts gegen unsere geliebte Alma Mater, aber: Wenn man hinter die Kulissen der Universität schaut läuft viel zu viel schief, als dass man uns als „exzellent“ bezeichnen könnte. Bleibt die Frage: Sind wir jetzt besser, weil alle anderen so schlecht sind? Oder gibt es andere Gründe? Wir meinen: Ja. Generell wurde in der Exzellenzinitiative nicht die Exzellenz der Forschung beurteilt, sondern der Vernetzungsgrad mit der Wirtschaft und die Menge an Drittmitteln, die hierdurch geflossen sind. Das sieht man am ersten Durchlauf besonders deutlich. Zwei von drei Univeristäten waren technisch orientiert. Geisteswissenschaftliche Fächer hatten kaum eine Chance, sich überhaupt zu bewerben, da die benötigte Menge an Mitteln, die für eine Bewerbung nötig waren, für ein Projekt bereits den gesamten Etat der meisten geisteswissenschaftlichen Fächer sprengen. Das Problem daran: Wirtschaft fördert, was Wirtschaft mag. Kritische Forschung bleibt da auf der Strecke. Und damit bleibt auch die Freiheit der Forschung und Lehre auf der Strecke. Forschung und Lehre sollten mehr sein, als nur die (un-)wissenschaftlichen Untermauerung von unternehmensfreundlichen Thesen und die Ausbildung von unternehmerischen Eliten. Wir wollen nicht unterstellen, dass dies an jedem Lehrstuhl unserer Universität getan wird. Und doch bleibt da dieses merkwürdige Gefühl im Bauch, weil immer mehr unseres Studiums auf die reine Verwertbarkeit für den Arbeitsmarkt umgestellt wird ... Unsere generellen Standpunkte zur Exzellenzinitiative:
  • Es wird von uns begrüßt, dass zusätzliches Geld vom Staat an die Hochschulen in die Forschung geht, aber sollte man darüber die Lehre nicht vergessen. Eine exzellente Lehre ist Voraussetzung für exzellente Forschung, in einer partizipatorischen Demokratie zudem ein Selbstzweck und steht im humboldtschen Ideal mit der Forschung im einheitlichen Gleichgewicht.
  • Wir sehen ein, dass Naturwissenschaften mehr Geld für Forschung benötigen. Aber ein Äquivalent in der Anzahl von Förderprojekten sollte auch den Geisteswissenschaften zugestanden werden. In jeder Disziplin hätte eine feste Anzahl von Projekten mit ihren Bedürfnissen angemessenen Mitteln gefördert werden sollen. Dies ist nicht geschehen.
  • Vor allem lehnen wir aber die möglichen sozioökonomischen Auswirkungen eines Stempelabdrucks mit der Aufschrift „Elite“ ab. Das Programm sieht nicht die Verbesserung der Lehre vor. Doch kennzeichnet es einige wenige Hochschulen mit dem Prädikat „Leuchtturm“ und „Exzellent“. Eine Verbesserung an deutschen Universitäten erreicht man nicht mit einer Zuspitzung der sowieso schon zugespitzten Elite, sondern durch mehr Geld im Allgemeinen für alle Hochschulen.